Meister Gichin Funakoshi

Meister Gichin Funakoshi & sein Leitsatz

”Das höchste Ziel im Karate-Do ist nicht der Sieg oder die Niederlage, sondern die Perfektion des menschlichen Charakters”

Gichin Funakoshi wurde 1869 in Yamakawa-Cho auf Okinawa geboren. Er war der einzige Sohn einer einfachen Samurai-Familie der damaligen Shizoku-Klasse (privilegierte Klasse). Sein Vater war Experte mit dem okinawanischen Stock (Kon). Funakoshi verbrachte seine Kindheit bei seinem Großvater Gifu, der ein bekannter konfuzianischer Gelehrter war. Von ihm lernte er die vier großen chinesichen Klassiker (Jia). Während seiner Grundschulzeit begegnete er Meister Azato Anko, dem inneren Schüler der Matsumura-Linie. Er begann bei ihm Karate zu lernen. Für den jungen Funakoshi war dies eine harte Zeit. Dennoch spricht er in seinem Buch „Karate-Do, Mein Weg“ mit Ergriffenheit von seiner Jugend, in der er trotz vieler Entbehrungen schon früh den Wert der Freundschaft erfuhr, die ihm bis zu seinem Lebensende mit seinen Lehrern verband.

Sensei Funakoshi in jüngeren Jahren

Funakoshi besuchte seinen Lehrer bei Nacht, da es zu jener Zeit verboten war, Karate zu üben. Jeden Abend ging er zum Haus seines Meisters Azato und oft dauerte das Training bis in die Morgenstunden. Das Training bestand nur aus Wiederholungen der Kata und nichts konnte den Meister dazu bewegen, auch nur ein einziges Mal davon abzusehen. Funakoshi erinnerte sich, das es Momente gab, in denen er tiefste Verbitterung und Erniedrigung empfand. Doch seine Ausbildung bestand darin, gerade diese Empfindungen zu überwinden und seine Unzufriedenheit zu akzeptieren.

Oft war Meister Itosu bei Azato zu Gast, und während Funakoshi seine Kata übte, unterhielten sich die beiden über philosophische Aspekte der Kampfkunst. Doch so sehr er sich auch anstrengte, diese Gespräche mitzuhören, er durfte es nicht. Meister Azato verwies ihn jedes Mal zu seiner Übung, sparte mit Lob und tadelte viel.


Sensei Funakoshi demonstriert in Rahmen einer großen Kampfsportgala 1954 im alter von 88 Jahren seine Kampfkunst.

Es vergingen die Jahre, und in seiner Ausbildung änderte sich nichts. Getreu dem Grundsatz, mindestens drei Jahre für eine Kata, lehrte der Meister ihn erst dann eine neue Form, wenn er die alte gut genug beherrschte. Funakoshi schrieb, das er zehn Jahre lang täglich die Tekki-Kata üben mußte, ehe der Meister mit ihm zufrieden war.

Training am traditionellen Makiwara

1888 wurde er Hilfslehrer an einer Schule in Shuri.

1891 wurde er zum Hauptschullehrer befördert und nach Nahe versetzt.

1901 leitete er eine Karatedemonstration in der Schule in Nahe, die zur Folge hatte, das Karate-Do ein Teil des Lehrplans an den okinawanischen Schulen wurde.

1918 beendete Funakoshi nach 30 Jahren seine Schullehrerzeit und setzte sich von da an nur noch mit den Kampfkünsten auseinander. In den folgenden Jahren zog Funakoshi mit einer Demonstrationsgruppe durch Okinawa, um das Karate-Do immer weiter bekannt zu machen.

1922 ging er schließlich auf vielfachen Wunsch nach Japan, um auch dort das Karate-Do vorzuführen und blieb bis zu seinem Tod 1957 in diesem Land.

Karate verbreitete sich in wenigen Jahren in ganz Japan. Dadurch stieg auch die Nachfrage an Lehrern. So kamen viele Männer von Okinawa und eröffneten Karate-Dojos. Da die wenigsten von ihnen Lehrer waren, unterrichteten sie Karate als Straßenkampf. Zur Folge bekam Karate einen sehr schlechten Ruf.

1940 begann der Weltkrieg, 1945 wurde das Shotokan-Dojo durch Bomben zerstört. Funakoshis Sohn Yoshitaka starb im selben Jahr an Tuberkulose. Dadurch verlor die Shotokan-Bewegung ihren Hauptinstruktor und löste sich auf. Der Altmeister reiste daraufhin nach Kyushu, wo er seine Frau traf, die er seit dem Verlassen Okinawas nicht mehr gesehen hatte. Beide lebten dort in großer Armut. 1947 starb Funakoshis Frau. Funakoshi reiste zurück nach Tokio, wo er bis 1948 sehr zurückgezogen lebte. Dann ließ er sich wieder an den Universitäten Keio und Waseda blicken, an denen einige Übungsleiter des ehemaligen Shotokan wieder Karate unterrichteten.

Chuo-Universität Japan 1954

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1954 fand in Tokio eine große Demonstration des Budo statt. Es gab Demonstrationen von Budo-Größen wie Mifune (Judo), Nakayama (Kendo) und Funakoshi (Karate), der damals bereits 86 Jahre alt war. Seine Demonstration wurde mit lautem Applaus belohnt. Als er auf die Bühne zurückkam, erhielt er stehende Ovationen. Doch seine Zeit war vorbei und er beauftragte seinen Übungsleiter Egami Shigeru, die Kampfkunst in seinem Namen weiter zu führen.

Er starb am 26. April 1957 im Alter von 88 Jahren.

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